Hundehaltung – Ein Stück harte Arbeit

„Papa, ich will einen Hund haben!“ Viele Eltern kennen solche Wünsche ihrer lieben Kleinen. Papa und Mama überlegen sich dann, wie sie ihren Kindern klarmachen können, dass ein Hund im Moment nicht in Frage kommt. Zu gefährlich, zu wenig Zeit, macht Schmutz, stinkt…

Doch Kinder sind bekanntlich Meister in der Kunst der Überredung und beharren solange auf ihren Wünschen, bis Papa oder Mama nachgeben. Widerwillig begibt sich der Vater schliesslich mit seinem Kind ins Tierheim und dort sucht sich der Sprössling dann den süssesten Vierbeiner aus. Bei der Wahl zählen rein optischen Aspekte. Da die Eltern auf den Wunsch eingehen um für Ruhe im Haus zu sorgen, vergessen die meisten leider nur all zu oft, sich Gedanken zur Hundehaltung und zur richtigen Rasse zu machen. Dies ist ein Fehler der leider nur all zu oft begangen wird.
Da ein Hund ein lebendiges Wesen und kein Spielzeug aus Plastik ist, beeinflussen verschiedene Faktoren das Sozialverhalten des neuen Familienlieblings. Nachstehend wird aufgezeigt, welche Faktoren zu aggressivem Hundeverhalten führen können.

Von Fantasievorstellungen und falsch eingesetzter Zuneigung

Hunde dienen oft als Kompensationsmittel. So werden sie beispielsweise als Platzhalter für den Verlust eines geliebten Menschen oder als Ersatz für den nicht erfüllten Kinderwunsch angeschafft. Menschen wünschen sich oft sehnlichst einen Hund, dem sie alle Sorgen erzählen können. Einen Hund, der einem versteht und bei dem sie sich ausweinen können. Einen besten Freund fürs Leben eben. Die Frage ist nur, ob es so einen Hund überhaupt gibt. Denn schliesslich handelt es sich hierbei immer noch um ein Tier. An dieser Stelle lautet die Antwort provokativ, nein, den gibt es nicht. Denn der Hund versteht den tieferen Sinn unserer verbalen Ausführungen nicht. Klar, Komandos wie bleib, sitz und mach Platz funktionieren ganz gut. Aber mehr wird schwierig. Was das Tier aber sehr gut zu deuten vermag, sind Emotionen. Ist das Herrchen traurig, dann merkt dies der Hund. Ist das Herrchen wütend, dann merkt dies der Hund. Gleiches gilt für Fröhlichkeit, Angespanntheit und die vielen anderen, uns jeden Tag umgebenden Gefühle. Wir Menschen vergessen, dass die Spezies Hund nicht annähernd der Spezies Mensch gleichgesetzt werden kann. Hunde sind keine Menschen im Pelz. Dennoch ist es bemerkenswert, dass seit vielen Jahrhunderten diese beiden Spezien zusammen Freundschaften eingehen.

Der Mensch ist ein sehr liebevolles Geschöpf, welches Liebe gerne weitergibt, teilt und natürlich auch gerne mal zurück erhält. Dieses Verhalten übertragen wir auf unsere vierbeinigen Freunde, weil sie, wie erwähnt, unsere Platzhalter sind. Der obenstehende Fall ist ein gutes Beispiel dafür. Der Hund ist nun die Nummer 1 des Kindes und erhält viele Kuscheleinheiten. Das Kind korrigiert wahrscheinlich, sowie die Eltern auch, den Hund bei Fehlverhalten nicht. Weil er so süss ist, gewähren sie ihm alles. Doch Hunde brauchen Grenzen. Es ist wichtig, sich mit der Hundehaltung und der Hunderasse zu befassen und dies bevor der Vierbeiner ausgesucht wird. Beim Fallbeispiel wählt das Kind wie erwähnt den süssesten Hund aus. Jedoch sollte der Hund nicht optisch passend sein, sondern energetisch.  Es ist empfehlenswert, einen Hund auszuwählen, der ein schwächeres Energieniveau als der Halter hat. Hinzukommt, dass Herrchen selbstsicher ist und die Eigenheiten der gewählten Hunderassen kennt. Findet der Hundehalter einen Rottweiler schön, ist dieser aber dominanter als der Halter selbst, so begibt sich der Rottweiler-Liebhaber auf eine stürmische Segelfahrt.

Regeln sind das A und O

Der Alltag der Hundehalter. Der süsse Hund des Kindes zieht beim Spaziergang an der Leine und bellt andere Hunde an. Zuhause ist er hyperaktiv, springt an Familienmitgliedern und Besuchern hoch und verdirbt so manchem Gast bereits vor dem Essen den Appetit. Weil Hundi so niedlich ist, lässt jeder ihn gewähren, aber stören tut es alleweil. Schliesslich ergreift der Vater die Massnahme, welche aus Saulus den Paulus machen soll.  Disziplin muss her. Das Kind  und sein fälliges Wesen werden zur Teilnahme in der Hundeschule verdonnert. Dort lernt der Hund verschiedene Kommandos und vor allem, diesen auch Folge zu leisten. Schön und Gut. Leider verschwinden dadurch weder Ängste noch Aggressionen. 10 verschiedene Hundekurse nützen nichts, wenn der Halter gegenüber “Waldi“ keine Dominanz zeigt. Dominanz heisst nicht bestrafen im Sinne von Gewalt. So ist es beispielsweise wichtig keine Gewalt auf das Tier auszuüben. Vielmehr ist Dominanz ein Verhalten, dass in einem Rudel zur Tagesordnung gehört. Dieses Verhalten muss der Rudelführer beherrschen, sonst kann die Ausgeglichenheit in einem Rudel schnell aus den Fugen geraten. Wenn wir einen Hund zu uns nach Hause nehmen, sollten wir verstehen, wie ein Rudel funktioniert. Wie verhält sich der Rudelführer und wie verhalten sich die Rudelmitglieder. Geben wir dem neuen Hund ein Zuhause, sind wir nun das Rudel für den Hund. Da Hunde im Moment leben und sich keine Gedanken machen können was in der Vergangenheit war und in der Zukunft sein wird, können jederzeit neue Regeln und Verhaltensmuster eingeführt werden. Der Hund sollte also bei Fehlverhalten immer korrigiert werden. Zieht der Hund an der Leine, sodass der Hundeführer schauen muss, dass er nicht auf der Nase landet, muss man dem zerrenden Freund mitteilen, dass das nicht in Ordnung ist. Desgleichen beim Anbellen von vorbeigehenden Passanten. Das Aufstellen von Regeln ist eine matchentscheidende Massnahame. Sie werden vom Hundehalter erstellt und rigoross umgesetzt.

Der Spaziergang als Gegenmittel

Hyperaktivität des vierbeinigen Lieblings ist bei vielen Hundehaltern ein wohlbekanntes Phänomen. Dagegen hilft viel Auslauf. Dabei können aber viel Fehler gemacht werden. Am Morgen wenn Herrchen und Frauchen zur Arbeit müssen, das Frühstück für Kind und Kegel vorbereiten sollte, das zerknitterte Hemd sich nicht von selbst bügelt und die Autoschlüssel nirgends auffindbar sind, so bleibt wenig bis gar keine Zeit für den Vierbeiner. Bei Hausbesitzern folgt oftmals die Rechtfertigung: “Wir haben einen großen Garten, da hat mein Hund genügend Auslauf.“ Was Hunde aber wirklich lieben und vor allem brauchen, sind Spaziergänge zwischen 30 und 60 Minuten. Je länger, desto besser. Das Schöne an solchen Spaziergängen ist, dass die Bindung zwischen dem Tier und dem Menschen wächst. Hat der Hund solch einen Spaziergang mit Frauchen oder Herrchen hinter sich, ist er ausgeglichener und ruhiger. Solche Spaziergänge müssen zur Tagesordnung gehören. Optimal wären zwei pro Tag.

Wenn Energie in Aggression übergeht

Erhält der Hund diesen Auslauf nicht, staut sich seine Energie und er beginnt Löcher zu buddeln, zerbeißt Schuhe, bewacht Gegenstände, bellt vor sich hin oder klefft Fahrzeuge, Menschen und andere Hunde an. Diese aufgestaute Energie kann schnell in Aggression übergehen. Wenn der Hund am Gartenzaun vorbeigehende Menschen oder Artgenossen aggressiv anbellt, ist dies ein ungesundes Territorialverhalten. Leider ist der Angriff auf andere Lebewesen dann nicht weit weg. Sind wir zu sparsam mit Disziplin, ist das nicht nur in den eigenen vier Wänden problematisch. Prekär kann sich die Situation auf der Strasse präsentieren. Tollt beispielsweise ein Kind in der Nachbarschaft herum, springt dieses auf und ab und gibt dieses seiner Freude mit lauten Jauchzern Ausdruck, kann dies dem aggressiven Hund eine Angriffsfläche anbieten.  Was da das Resultat sein kann, zeigten schon diverse Medienberichte auf. Überschriften wie: „Kind von Hund getötet“ oder „Hund attakiert spielendes Kind“, liessen sich aber vermeiden.

Zuneigung kommt an letzter Stelle

Nicht weg zudenken sind soziale Kontakte. Der Hund muss lernen, wie er sich im Park zu verhalten hat. Hundekurse sind hierfür sehr gut. Dort lernt der Hund andere Artgenossen und Hundehalter kennen. Soziale Kontakte sind für Vierbeiner ebenso wichtig wie Regeln und Auslauf. Bekommt der Hund diese drei Grundelemente, darf nun Zuneigung gezeigt werden. Hunde sehnen sich, genau wie wir Menschen auch, nach Zuneigung. Und diese sollen sie auch erfahren. Leider Gottes erhalten unsere Hunde zu viel Kuscheleinheiten und diese dann auch noch zum falschen Zeitpunkt.

Wir haben es in der Hand

Aggressives Verhalten ist also steuerbar. Wir sind es, die Hunde in unser Zuhause holen. Wir gewähren ihnen Einlass in unser Heim und wollen die Harmonie bewahren. Dafür müssen Regeln aufgestellt werden. Die Familie muss bei der Erziehung des Hundes am gleichen Strang ziehen. Das neue Mitglied der Familie muss immer wissen, dass es den anderen Mitgliedern zu gehorchen hat. Respekt soll jedoch auf beiden Seiten gleichermassen vorhanden sein. Der Hund muss die Regeln einhalten und die Familie muss stets wissen, dass Auslauf, Regeln, soziale Kontakte und am Schluss Zuneigung für den vierbeinigen Freund von großer Wichtigkeit sind. Es gehört sich, gut zu überlegen, ob man diesen Bedürfnissen überhaupt nachkommen kann. Gibt es Zweifel, so rate ich davon ab, sich einen Hund anzuschaffen. Wie obengenannt, kann es verehrende Folgen mit sich bringen, einen Hund falsch zu halten.

So schön es sein kann einen Hund zu besitzen. Fehlt die Zeit oder möchte man diese schlicht und ergreifend nicht für einen Hund aufopfern, so bleibt als alternative ja auch noch immer eine Katze.

Erstellt im November 2011

nicht veröffentlicht

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